Wie die DBS zu ihrem Namen kam

Rhein-Neckar-Zeitung vom 11. April 2020

Tod Bonhoeffers jährt sich zum 75. Mal - Besondere Schule

Von Philipp Weber

Am Ende vieler Nachrichtensendungen wurde es erwähnt:  Der Todestag von Dietrich Bonhoeffer hat sich zum 75. Mal gejährt. Der lutherische Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche und Widerständler gegen den Nationalsozialismus war am 9. April 1945 im KZ ermordet worden. Nur wenige Wochen, ehe der Zweite Weltkrieg und die Schreckensherrschaft der Nazis endeten.

Heute erinnert in Weinheim vor allem eine Einrichtung an den Widerstandskämpfer: die Dietrich-Bonhoeffer-Schule, derne Einzugsgebiet neben dem Westen Weinheims auch die südlichen Ostteile und Hirschberg umfasst. Der Schulverbund trägt den Namen Bonhoeffers seit dem Schuljahr 1987/88. Zuvor hieß die Schule wie das Gebiet, das sie umgibt: "Multschule".

Dennoch beinhalte der Name Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) bis heute den ein oder anderen Zwiespalt - auch wenn die damals Beteiligten das nicht mehr an die große Glocke hängen. Es wäre auch unpassend. Denn eines gilt als unstrittig: Die Schule tut viel, um ihrem Namenspatron gerecht zu werden. "Die Erziehung zu Toleranz, Mitmenschllichkeit, Zivilcourage, Gerechtigkeit und Eigenverantwortung steht im Mittelpunkt unseres pädagogischen Handelns", hat der Verbund in seinem Leitbild festgehalten. So wird im Theatersaal der Schule Jahr für Jahr an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz erinnert. Aber auch in Bezug auf die Gegenwart versucht die DBS ihrem Anspruch gerecht zu werden: So wurden die Anliegen junger Aktivisten, die sich für "Fridays for Future" engagieren, in den Schulalltag integriert. Dennoch war die Umbenennung der "Multschule" mit Streit verbunden. Der Schulbetrieb hatte zu Start des Schuljahrs 1970/71 begonnen. Damals lief hier ein Modellversuch: Bei der "Multschule", die eigentlich "Gesamtschule Weinheim" hieß, handelte es sich um eine Besonderheit: Baden-Württembergs Schulsystem war damals streng dreigliedig organisiert. Gesamtschulen waren selten - und in Weinheim wohl nicht zuletzt wegen der Nähe zu Hessen und zu Rheinland-Pfalz möglich.

Das Lehrerkollegium bestand - zumindest zum Teil - aus Idealisten. Einige hatten sich gezielt für diesen Standort beworben. Die Schule galt als innovativ und beliebt. Dennoch geriet das Gesamtschulmodell nach und nach in die Kritik. Zu Beginn des Schuljahres 1985/86 erfolgte die Umstrukturierung in einen Schulverbund. Für viele Lehrer ein Enttäuschung.

Da der Verbund nun auch ein Gymnasium aufwies, sollte ein neuer Name her. Bonhoeffer soll keineswegs erste Wahl gewesen sein. Gesucht wurde ein Namenspatron mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund - um sich von anderen abzuheben: dem Werner-Heisenberg-Gymnasium, dem man ja nun Konkurrenz machte un das nach einem Naturwissenschaftler benannt ist. Die Idee einer Bonhoeffer-Schule entstand aus dem Kollegium heraus, das damit auch ein Stück weit den eigenen Idealismus zum Ausdruck bringen wollte. Was heute nicht mehr so zu vermitteln ist: Denn die Bildungsdebatte hat sich in Ton und Inhalt verändert. Ein Teil des Reformgeistes hat dennoch überdauert: Ehemalige - auch einige, die von anderen Schulen hierher wechselten - erinnern sich gern an die "Multschule". Und auch nach der Sanierung in den 1990er Jahren - als der Schulverbund gegen Widerstände eine Einheit blieb - profitieren Schüler und Lehrer von "alten" Einrichtungen wie der Mensa und dem Theatersaal. Nicht zuletzt in Hinblick auf den Ganztagesbetrieb, der heute, anders als in den 80er - zunehmend obligat wird. Vieleicht steht DBS auch deshalb noch für etwas anderes: "Die besonder Schule".

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