Von Schulart zu Schulart unterschiedlich

Weinheimer Nachrichten vom 09. April 2020

Unterricht zu Hause: An der Dietrich-Bonhoeffer-Schule gibt es Lernplattformen, E-Mailverteiler und Telefongespräche zwischen Lehrern, Schülern und Eltern.

Weinheim. Virtuelle Lernplattformen, Videokonferenzen oder doch die klassische E-Mail – beim Thema „Homeschooling“ wird vor allem deutlich, dass es keine Universallösung gibt (wir berichteten). Die WN-Redaktion hat nun auch bei Weinheims größter Schule, der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS), nachgefragt: Vier Schularten sind im Verbund geeint, von drei unterschiedlichen Herangehensweisen berichten die Lehrer im Gespräch mit unserer Zeitung. In der Grundschule arbeiten die Kinder mit Wochenplänen sowie ausgedruckten Arbeitsblättern, die von den Eltern abgeholt wurden. Die Realschule setzt auf einen E-Mail-Verteiler, über den die wöchentlichen Aufgabenpakete versendet werden. Am Gymnasium hingegen stehen Lehrer, Schüler, aber auch Eltern über „Sdui“ in Kontakt, ein cloudbasiertes System, in dem Dokumente hoch- und runtergeladen werden können.

Aber warum braucht es drei unterschiedliche Systeme? „Wir haben uns im Verbund dazu entschieden, die Kommunikationsstruktur und Aufgabenbereitstellung der Schulart entsprechend anzupassen“, sagt Jascha Detig, Schulleiter der Realschule. Im Fall der Realschule heißt das: Die Fach- und Klassenlehrer organisieren zum Wochenbeginn einheitliche, dem Stundenplan entsprechende Pakete. Die darin enthaltenen Aufgaben können, je nach Aufgabenstellung, an die entsprechende Lehrkraft zurückgeschickt werden. „Nicht jede Aufgabe muss korrigiert werden, manchmal bieten es die Kollegen an, manchmal fordern sie es ein“, erklärt Detig. Darüber hinaus gebe es auch die Möglichkeit, dass sich die Schüler persönlich an die Lehrer wenden, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Das soll auch die Situation zu Hause entlasten.

Am Gymnasium hat jede Klasse für jedes Fach einen Kanal auf der Plattform „Sdui“, auf dem Arbeitsaufträge ausgetauscht und Fragen gestellt werden können. Bisher ist Tobias Tempel, Abteilungsleiter Mathematik und Naturwissenschaften, zufrieden. „Natürlich hakt es, wenn am Montagmorgen alle ihre Daten hochladen, aber insgesamt läuft es sehr stabil.“ Auch hier haben es die Lehrkräfte wieder selbst in der Hand, welche Fristen sie zur Lösung von Aufgaben festsetzen. Voraussetzung, um auf „Sdui“ zugreifen zu können, sind entsprechende Endgeräte. Die Jahrgangsstufe 1 wurde vor der Schließung mit den schuleigenen Tablets ausgerüstet. „In der Jahrgangsstufe 2 sind meistens Geräte vorhanden“, sagt Tempel.

Verschiedene Voraussetzungen

Eine Diskrepanz bei den „digitalen Voraussetzungen“ drängt sich als Motiv für die unterschiedlichen Kommunikationswege auf. Denn wo Tablets, Laptops oder PCs zwingend notwendig sind, um auf die Inhalte zugreifen und diese auch digital bearbeiten zu können, könne das Smartphone nur im Ausnahmefall diese Anforderungen erfüllen. Auf die Frage nach der Zukunft der Digitalisierung an deutschen Schulen antwortet Realschulleiter Detig: „Die technischen Voraussetzungen bei den Schülern zu Hause sind doch sehr unterschiedlich.“

Sollten die Schulen nach Ostern noch geschlossen bleiben, will man an der Grundschule damit anfangen, von den Schülern bearbeitete Aufgaben zu sammeln und zu korrigieren. Ebenfalls müsse überdacht werden, ob es bei Wiederholungsaufgaben zu bereits behandeltem Stoff bleibt: „Derzeit geben wir keine neuen Stoffpläne auf. Wir werden uns im Kollegium neu beraten müssen und anhand unserer Wochenpläne weiterarbeiten“, sagt Sebastian Schneid, stellvertretender Schulleiter der DBS-Grundschule. Derzeit setze das Kollegium auf telefonischen Kontakt zu den Schülern. Der Tenor der drei Lehrer: Die Herausforderungen liegen derzeit darin, die Aufgabenpakete so zu strukturieren, dass keine Überforderung stattfindet. Auch müssen Aufgaben ganz konkret formuliert sein, sodass möglichst wenig Fragen aufgeworfen werden. Bisher sei das Feedback der Beteiligten beziehungsweise Betroffenen durchweg positiv. Auch wenn man sich einig ist, dass eine engmaschige Betreuung in der Online-Schule unmöglich ist.
ppf/tho

 

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