Begegnung mit Geschichte und Gegenwart des Judentums in Deutschland

14 evangelische Schülerinnen und Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule sind Spuren des jüdischen Lebens in Deutschland in Geschichte und Gegenwart nachgegangen. Die Siebtklässler berichten vom Besuch der ehemaligen Synagoge und des jüdischen Friedhofs in Hemsbach, und von der Begegnung mit einem jüdischen IT-Unternehmer aus Mannheim.

Wir wurden von unseren Eltern an den Weinheimer Bahnhof gefahren und zwei Mitschüler haben mit Herrn Falter in Hemsbach gewartet, da wir mit dem Zug nach Hemsbach gefahren sind. Vom Bahnhof dort sind wir zur ehemaligen Synagoge in Hemsbach gelaufen. Herr Lohrbächer, der Vorsitzende des Fördervereins der Synagoge, führte uns als erstes in den oberen Stock, die Empore der Synagoge. Dort zeigte er uns eine Vitrine. Darin befanden sich viele für Juden wichtige Dinge, wozu er uns viel erzählte. Als letztes zeigte er uns das Erdgeschoss der Synagoge, wo früher einmal der Thora-Schrein und Bänke standen und heute oft Konzerte stattfinden. Herr Lohrbächer hat auch eine Geschichte davon erzählt, wie früher die Nazis die Synagoge zerstören wollten, aber die Bewohner der Nachbarhäuser wollten nicht von dem Angriff betroffen sein und ihre Häuser dem Brand aussetzen. Deswegen beschützten sie die Synagoge. Die Synagoge wurde 1848 gebaut und steht heute immer noch.

Als wir nach der Führung in der Synagoge fertig waren, wurden wir in einen kleinen Raum geführt. Dies war früher eine Wohnung des Rabbiners. Wir setzten uns auf die bereitgestellten Stühle und sahen einen Film über einen Jungen, der Jude war. Er bereitete sich auf ein großes Fest namens Bar Mizwa vor. An diesem Tag erklärt ein jugendlicher Jude, dass er nun in religiöser Hinsicht ein Mann ist und liest einen Abschnitt aus der Thora vor. Danach wird gefeiert mit viel Essen. Direkt neben der Synagoge ist das jüdische Ritualbad. Der jüdische Name des Bades ist Mikweh. Die Menschen haben in der Mikweh gebadet, um ihrem Glauben nachzukommen. Die Mikweh ist ein Becken, das in den Boden verbaut ist und in das eine Treppe hineinführt. Die Mikweh stand in einem kleinen Haus, das zwei Räume hatte. Es bestand aus einer Umkleide und der Mikweh. – Danach sind wir zum Friedhof gewandert.

Frau Spicka, die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, führte uns über den Friedhof. Sie erklärte uns, dass es jüngere und ältere Gräber gab, die sich auch dadurch unterschieden, dass es verschiedene Sprachen auf den Grabsteinen gab: Deutsch und Hebräisch. Es gab auch Gräber von Kindern und Erwachsenen, die im Krieg gestorben waren. Es gab Gräber, die eingesunken waren. Wir hatten ein Arbeitsblatt, auf dem wir unsere Beobachtungen aufgeschrieben haben. Man durfte auf dem Friedhof auch nicht essen und trinken. Jungs mussten eine Kappe oder andere Kopfbedeckung tragen. Auf dem Friedhof sollten wir Sachen herausfinden, z.B. wann die Menschen gestorben sind. Wir sollten die Zeichen auf den Grabsteinen abzeichnen, und das jüngste und das älteste Grab suchen und das Datum aufschreiben. Und sagen, welcher Unterschied zu christlichen Friedhöfen am auffälligsten ist. Ganz verschieden ist zum Beispiel, dass Juden die Gräber nicht pflegen.

Als die Führungen dann vorbei waren, durften wir uns in Hemsbach an einer Eisdiele noch ein Eis kaufen. Danach sind wir wieder an den Weinheimer Bahnhof gefahren, zur Bahn gelaufen und in die Schule gefahren. In der Schule haben wir dann noch Blätter zu den Führungen ausgefüllt. In der nächsten Woche bekamen wir Besuch in der Schule von Herrn F. aus Mannheim. Er ist Jude und hat uns über seine Religion erzählt. Herr F. war sehr freundlich und er hat erzählt, dass Juden ganz unterschiedlich sind und dass er selbst nicht so fromm ist. Herr F. ist Geschäftsführer von einer kleinen Firma. Herr F. hat uns Lebensmittel wie Chips und Gummibärchen mitgebracht, die koscher waren, also auch von Juden gegessen werden dürfen. Sie haben uns gut geschmeckt. Herr F. hat uns auch erzählt, wie er an jüdischen Festen teilgenommen hat, eine Hochzeit und eine Bar-Mizwa-Feier. Er hat jüdische Gegenstände mitgebracht, wie zum Beispiel eine Kippa, einen Gebetsschal (Tallit) und einen achtarmigen Leuchter (Chanukkia). Er hat auch viele Fotos mitgebracht und mit dem Beamer gezeigt.

Interessant fanden wir, dass er erzählt hat, dass Juden für die Trennung von Speisen mit Milch und Speisen mit Fleisch unterschiedliches Geschirr und unterschiedliche Kühlschränke haben, manchmal sogar getrennte Küchen.

Wir haben gelernt, dass jeder Jude das Recht hat, in Israel zu leben. Ein Jude ist man, wenn man von einer jüdischen Mutter geboren wird. Herr F. hat uns von seiner Gemeinde in Mannheim erzählt. Besonders interessant war es, als wir ihm ganz viele Fragen stellen durften. Da haben wir erfahren, dass er zwar besorgt ist, aber nicht wirklich Angst hat, als Jude in Deutschland zu leben, oder auch, dass es für Juden erlaubt ist, am Sabbat Arbeiten, die man selbst nicht machen darf, von anderen machen zu lassen, die nicht Juden sind.

(Klassen 7.2.1 und 7.2.3 ev. Religion / Ralph Falter, Bernd Kreissig)

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