Die Vorbereitungen für ein umfangreiches Musiktheaterprojekt des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums laufen auf Hochtouren. Rund 30 Schüler sind dabei, Bertolt Brechts Dreigroschen-Oper einzustudieren. Premiere ist am Freitag, 26. Mai im Musiktheater der Schule. Insgesamt fünf Termine liegen vor den Sängern und Schauspielern – das Lampenfieber steigt.
Auch wer Brechts Stück nie gesehen hat kennt wohl die freche Melodie zur Moritat von Mackie Messer „Und der Haifisch, der hat Zähne ...“ Vor vielen Jahren dudelten die Ohrwürmer aus der Dreigroschenoper in Kaufhäusern rauf und runter. Aber damals waren die beteiligten Schüler der DBS noch gar nicht auf der Welt. Trotzdem schätzen viele von ihnen die Dreigroschenoper, denn das Werk ist in seiner Form, seiner Vielfalt, seinem Aufbau und seinen Melodien einzigartig.
Die Musik arrangierte Kurt Weill. Der weltberühmte Komponist vermischte Elemente aus Jazz und Tango, Blues und Jahrmarkts-Musik und garnierte sie mit ironischen Seitenhieben auf Oper und Operette.

Das Guckkastentheater der DBS ist für seine alljährlichen Musicalaufführungen bekannt. Einige Schüler üben sich seit Jahren im Schauspiel, manche singen in Chören oder haben in den Stücken zuvor bereits Soloparts übernommen. Die Zuschauer dürfen von der Darbietung der Schülerinnen und Schüler also einiges erwarten.
Die Interpretation der Dreigroschenoper durch die „Gucker“, ergänzt von der Bühnenbild- und der Technik-AG sowie durch Marion Ströbel, zuständig für die Kostüme, wagt einen Balanceakt zwischen Unterhaltungsstück und Gesellschaftsanalyse. Die besondere Herausforderung des Klassikers besteht darin, einerseits dem Aspekt der großartigen Unterhaltung gerecht zu werden, ohne andererseits den sozialkritischen Inhalt über die Mechanismen von Macht, Politik und Verbrechen zu verharmlosen. Diese Zielsetzung erfordert bei den jugendlichen Darstellern ebenso wie bei den bildenden Künstlern neben Einfühlungsvermögen und Spielwitz, Verständnis auf historischem, politischem sowie gesellschaftskritischem Gebiet. Nicht nur deshalb sind Zusatzproben wie in den Osterferien aber auch während der Schulzeit nötig, damit schließlich am Premierenabend alles sitzt. Die Akteure sind hoch konzentriert bei der Sache.

In der Welt, in der die Dreigroschenoper spielt, geht es um Korruption, Gier nach Geld, Hunger nach Profit und gesellschaftliche Anerkennung durch Reichtum. Und um den Ganoven Mackie Messer. Mackie Messer ist mehr als nur ein charmanter „Ladykiller“, denn er verkörpert einen bestimmten Verbrechertypus. Und er repräsentiert ein zentrales Bewegungsgesetz des Kapitalismus, nämlich das des Hungers nach Profit. Dem steht sein Gegenspieler Peachum gegenüber, der als Unternehmer das Image eines Saubermanns innehat - allein er wird durch das erbettelte Geld seiner Angestellten reich.

¬In vielen Bereichen erweist sich die Geschichte der Dreigroschenoper als überaus zeitgemäß. Und so besitzen nicht nur Haifische die beneidenswerte Eigenschaft, dass ihre Zähne ein Leben lang immer wieder nachwachsen, ähnlich verhält es sich in der Geschichte um die Hinterhältigkeit Macki Messers: Gab es damals schon ehrenwerte, sympathische Männer in Politik und Wirtschaft, die in Korruptionsskandale verwickelt sind, gibt es die heute noch immer.

Pro Abend werden rund 150 Zuschauer erwartet. Vor allem eine großzügige Spende der Stiftung Freudenberg ermöglicht ein besonders freies Arbeiten aller Beteiligten an dieser großartigen Herausforderung und eine erstmalige Zusammenarbeit mit Musikern außerhalb der Schule.

Premiere feiert das Guckkastentheater am 26. Mai 19:30 Uhr im Musiktheater der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, Breslauer Str. 60, weitere Vorstellungen finden am 28., 29., 30. Mai und am 2. Juni jeweils um 19:30 Uhr statt.

Seite wird geladen
Ein neues Gebiss für den Haifisch